Land Rover Discover Rockslider

Nachdem im ersten Teil unsere Serie über den Umbau unseres Land Rover Discovery 4 die ersten Schritte geschrieben wurde, geht es an die nächste Stufe: den Unterfahrschutz.

Die Anfänge wurden gemacht, nun müssen weitere An-, Aus- und Umbauten recherchiert, geplant und initiiert werden. Die Suche nach geeigneten Material stellt sich für Fahrzeuge der Land Rover Kategorie Discovery schwieriger aus als für Defender. Der Aftermarket ist deutlich kleiner und die Preise, aufgrund der Nachfrage oftmals höher.

In der Schweiz gab es zum damaligen Zeitpunkt keine spezialisierte Werkstatt, die sich auf die Optimierung des Unterfahrschutzes von Discos spezialisiert oder sich mit den fahrzeugspezifischen Charakteristika auseinandergesetzt hat. Das hat sich vielleicht ein wenig geändert, aber für wirkliche Spezialisten ist dieser Markt wahrscheinlich zu klein. Nicht jeder ist schliesslich so ein Freak wie ich 🙂

Verwendungszweck

Jeder der Zürich kennt weiss, dass es nicht viel Platz für grosse Fahrzeuge gibt. Somit ist ein Kriterium für uns die Alltagstauglichkeit, auch in einer Stadt. Zudem sollte es für den Offroad-Alltag ebenso genutzt werden können, als auch für entspannte Reisen. Mit unseren vorherigen Erfahrungen aus Reisen wussten wir bereits, worauf es ankommt. Die Langstreckentauglichkeit ist mit der Luftfederung gegeben. Die Land Rover Sitze haben uns schon immer gefallen, somit wurde in diesem Stadium weniger auf den Innenraum Acht genommen. Im Vordergrund standen nun der komplette Unterbodenschutz und der Schutz der wichtigsten freiliegenden Teile. Angefangen von der Skid Plate, der Motorschutzplatte und dem Kompressorschutz bis hin zum Schutz des Differentials und der Heckstossstange.

Unterfahrschutz und allerlei Optimierungen

Vorne angefangen haben wir uns für einen Unterfahrschutz von Lionparts entschieden, der optimiert für die originale Front des Discovery ist. Nur so kann der optimale Schutz der Front sicher gestellt werden. Auf unseren ersten Geländefahrten merkten wir schnell, dass trotz ausgefahrenem Fahrwerk und nicht so steilem Winkel die Stossstangen (vorne wie hinten) recht tief hängen und somit potentiell gefährdet sind. So wurde zudem die Heckstossstange mit einem Schutz von Mudtech versehen, der sich jedoch als weniger sinnvolle Investition herausstellte. Bei steiler Bergauffahrt fungiert er wie eine Schaufel und sammelt Gräser, Steine, Erdreich und alles mögliche mit auf, was dann schlussendlich innen in der Heckstossstange oder auf deren Schutz liegen bleibt. Der Unterfahrschutz der Heckpartie muss also optimiert werden!

Von Mudtech wurde ebenso das wohl jedem bekannte Anitas eingebaut, also eine elektronische Höherlegung, die zusätzlich zum Standard aktiviert werden kann. Besitzer des Anitas sollen sich nicht wundern, dass es oft zu Fahrwerksfehlern, Aufhängungsfehlern oder dem plötzlichen Aufleuchten der Anhängerbetrieb-Betriebsleuchte kommt. Das Anitas gaukelt dem fahrzeugspezifischen System allerlei Blödsinn vor, vor welchem ich aus der Retrospektive nur abraten kann.

Meine Empfehlungen

Meine persönliche Empfehlung ist bei der Verwendung von grösseren Rad-Reifen-Kombiantionen mit Rods zur arbeiten. Diese können beim Räderwechsel innerhalb von Sekunden (de-)montiert werden oder man lässt sie einfach das ganze Jahr über montiert. Es empfiehlt sich sie auf 2.5cm einzustellen, so ist ein Kompromiss auch mit der LR-eigenen Höherlegung geschaffen. Man kommt dann 5cm weniger hoch, aber selbst bei extremer Verschränkung, noch härterem Fahrwerk macht das den Braten auch nicht mehr fettig, die empfindlichen Teile am Unterboden sind somit geschützt.

Weiterhin empfiehlt sich eine professionelle Einstellung des Luftfahrwerks, der Höhe und der Spur. Bei Offroadumbauten, bei denen es ans Fahrwerk geht, sollte das unbedingt in diesem Stadium gemacht werden, um böse Überraschungen vorzubeugen.

Unterfahrschutz: 2. Runde

Aber zurück zum Unterfahrschutz! Die originale Motorschutzplatte ist bereits schwer genug, aber  ein wenig dünn. Gut Produkte von Rasta bewachen nun Motor und Getriebe. Eine neue Alternative entwickelte auch OEMplus. Anfänglich bin ich vom Schutz für Kompressor- und Kompressortank überzeugt gewesen. Jedoch sind auch hier einige Überlegungen zu den Produkten von Prospeed geboten. Der originale Kompressorschutz ist aus Plastik und leicht auf der Fahrerseite unter der Hecktür zu finden. Der Tank hat überhaupt keinen Schutz, was im Endeffekt auch nicht schlimm ist. Ein Schutz kann sinnvoll sein, dann müsste dieser jedoch regelmässig gereinigt werden, sonst sammelt sich Dreck und Unrat in diesem und der Lufttank für das Luftfahrwerk rostet von unten durch. Doofe Sache an sich; bei mir wird er wohl auch bald ersetzt werden.

Der Kompressorschutz von Prospeed ist leider so tief, dass er nun der tiefste Punkt vom Fahrzeug ist. Bereits bei „kleinen“ Kanten, schleift man mit dem Kompressorschutz über Kanten und nicht mit den Rockslidern, die ebenfalls von Prospeed kommen. Zudem ist der Kompressorschutz geschlossen und nicht offen, so dass z.B. Dreck herausfallen kann. Sonst bietet sich das gleiche Bild, wie beim Kompressortankschutz.

Der Asfir Diffenrentialschutz ist eine der sinnvollsten Investitionen am Auto. Bei ausgewaschenen Wegen hängt der Disco recht tief und die Auspuffanlage liegt schnell auf. Mit dem sauschweren Differentialschutz wird Gröbstes an den Endrohren verhindert, jedoch haben sich auch hier bei mir schon beide Rohre durch Aufsetzen verzogen, so dass sie mörderisch am Differentialschutz klappern. Also nehmt immer ein bisschen Gummi von einem alten Pneu und hitzebeständiges Tape für den Notfall mit. So kann es dazwischen geklemmt werden. Kleine Information am Rande: In 2017 werden von OEMplus auch noch zwei weitere Alternativen vorgestellt, die das Unterfahrschutz-Programm komplettieren.

Exkurs: Meine Meinung zu ein paar Produkten

Ein kurzes Wort noch zu den Prospekt Produkten. Im Einsatz bekommen die Rockslider durchaus Kratzer, die zu rosten beginnen. Das Problem verstärkt sich im Generellen, wenn man im Winter unterwegs ist. Die schwarze Farbe blättert ab. Vor Montage empfiehlt sich somit das Feuerverzinken. Das gilt ebenso für die Heckleiter und den Dachträger von Prospeed. Die Heckleiter ist mit dem nach unten gezogenem Bügel und den kleinen Haltegriffen das wahrscheinlich beste Produkt für den Discovery in diesem Bereich. Jedoch ist die Rostbeständigkeit mangelhaft.

Der Dachträger ist eine Pracht für sich. Mit 23kg aber kein Leichtgewicht. Mit unserem „Family 160“ Dachzelt vom deutschen Hersteller Autocamp fahren wir somit immer am Limit der Dachlast. Das ist aber egal, da die Aussenrohre nicht belastet werden dürfen, denn diese verbiegen sich ganz gerne. Es gibt Querstreben, die man unbedingt nutzen sollte, jedoch hat man dann fast eine Handbreite Luft zwischen Träger und Dachzelt, was dem Spritverbrauch nicht gerade entgegen kommt.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Heckleiter zu montieren, sollte wissen, dass die Klebefläche der Auflage am oberen Ende der Leiter im Sommer warm wird und unter viel Gewicht sich gerne bewegt und so die Gefahr besteht, dass die Leiter abreist. Es empfiehlt sich somit eine ergänzende Befestigungsmethode.

Diese zweite Ausbaustufe war wohlmöglich die vorerst umfangreichste Investition und Veränderung am Auto. Trotz zusätzlichem Gewicht haben sich bereits im Gelände der Unterfahrschutz und die Fahrwerksoptimierungen bewehrt.

Das Ergebnis kann sich sich durchaus sehen lassen.

http://www.ladyfromatramp.co.uk/wp-content/uploads/2015/01/Land-Rover-Experience-4.jpg

Endlich war es soweit! Überglücklich und voller stolz präsentierte ich meiner Frau die Idee unseren treuen, roten Land Rover Freelander 2 gegen einen 3 jährigen Land Rover Discovery 4 zu tauschen.

 

Land Rover Freelander 2 zu Ostern im Schnee
Land Rover Freelander 2 zu Ostern im Schnee

 

Die Begeisterung hielt sich  in Grenzen. Ich wurde auf den Boden der Tatsache zurück geholt: „Bonzenkarre“, „Diplomatenauto“, „zu gross“, „zu teuer“ und „es ist nicht rot“ waren die Antworten.

Als wir dennoch an einem Sonntag Nachmittag bei unserem Garagisten in Chur vorbei fuhren, bei dem wir schon den Freelander gekauft hatten, war die Ernüchterung noch grösser. „Der Defender sieht aber schöner aus“, entgegnete es mir – die Heritage Edition ist gemeint gewesen. Mit „schönen runden Lichtern!“ Als ob mich das interessiert hätte! Natürlich entgegnete ich mit allerlei (Halb-)Fachwissen, dass der Defender kein Automatikgetriebe hat, die Motorlampe selten nicht leuchtet, das Dach undicht ist, man maximal 130 km/h fahren kann und sich dann anbrüllen muss, um etwas zu verstehen, usw. Bei einem Land Rover Discovery ist das natürlich nicht so! (Denkste!)

Eine Probefahrt eine Woche später sollte es richten, sofern der Discovery noch zu haben ist, denn es gab schliesslich noch andere Interessenten. Bei der Probefahrt wurde ich ein zweites mal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt:

Ich: „Merkst Du die Luftfederung und das 8-Gang-Automatikgetriebe?“

Sie: „Nein.“

In Gedanken: „Na schönen Dank auch!“

Immerhin klappte das Einparkieren, die Schaltwippen machten natürlich was sie wollten, alles nicht so wie beim Freelander. Dennoch, nach ewigen Versprechungen, 100 Tagen Hausarbeit und Tränen, kauften wir den schwarzen Land Rover Discovery 4 SDV6. „Yes!“ Der Abschied vom kleinen roten Freelander ist schon schwer gewesen, aber ein neues Kapitel öffnete sich.

Es heisst Abschied nehmen vom kleinen, roten Freelander
Es heisst Abschied nehmen vom kleinen, roten Freelander

 

Wie ich mir das immer so denke, will einen nackten Disco so niemand recht fahren. An diesem Punkt waren meine Frau und ich uns natürlich einig, dass wir mit dem grösseren Auto, mit der Untersetzung mehr ins Gelände gehen und die Langstreckentauglichkeit auskosten wollen! Gesagt, getan! – Denkste!

 

Der neue Land Rover Discovery - Front
Der neue Land Rover Discovery – Front

 

Heckansicht des Discos
Heckansicht des Discos

 

Seitenansicht
Seitenansicht

 

Nach den ersten 100km - noch sauber ;)
Nach den ersten 100km – noch sauber 😉

 

Beim Strassenverkehrsamt mit dem Land Rover Discovery 4

Mein erster Besuch beim Strassenverkehrsamt Zürich. Katastrophe! Die Kollegen wären mir am Liebsten an den Hals gesprungen. Entweder macht in der Schweiz jeder, was er will – würde ich Willkür nennen – oder es liegt an mir (ich rede mit leichtem hochdeutschen Akzent).

Das erste Zubehörteil ist somit der Prospeed Dachträger geworden. Mit dem man in Frankfurt / Main sogar in die Parkhäuser mit einer Höhe von unter 2.10m reinkommen.

Discovery mit Prospeed Dachträger im Parkhaus
Discovery mit Prospeed Dachträger im Parkhaus

 

Jetzt fragt sich bestimmt jeder, was auf solch einen Träger kommt? Natürlich ein Dachzelt. In diesem Fall das Family 160 von Autocamp. Es hat uns persönlich durch die natürlichen Farben am Besten gefallen und es bietet genug Privatsphäre und Platz. In Verbindung mit der Prospeed Heckleiter zum Heraufsteigen eine sehr gute Kombination.

 

Der Discovery mit frisch montiertem Autocamp Dachzelt
Der Discovery mit frisch montiertem Autocamp Dachzelt

 

So langsam macht sich der Disco auf dem Parkplatz bemerkbar
So langsam macht sich der Disco auf dem Parkplatz bemerkbar

 

Auf dem Campingplatz in Zernez. Das Vorzeit ist sehr praktisch.
Auf dem Campingplatz in Zernez. Das Vorzeit ist sehr praktisch.

 

Auf der Suche nach kundigem Fachpersonal, bin ich über Umwege bei Tom von Storm72 gelandet. Die Chemie stimmte, auch wenn er VW Amarok fährt (*hust*), und so testeten wir mal das Eintragen von Felgen und Pneu für den Discovery aus. Die schwarzen Compomotive Felgen in 18 Zoll sind schon etwas Besonderes! Der Discovery 4 benötigt i.d.R. 19 Zoll Felgen, aufgrund der Grösse der Bremsscheiben. Nur eine Handvoll Hersteller bieten 18“ Felgen für den Discovery 4 an! Zusammen mit den Cooper Discover STT Pneu macht der biedere Discovery schon etwas her. Die Lampenschutzgitter sind bereits von Land Rover selbst als Zubehör eingetragen, auch wenn da der eine oder andere Prüfer meint, etwas zu mäkeln, gerne auf JLR direkt verweisen!

 

Originale Lampenschutzgitter müssen nicht extra eingetragen werden (vorne, wie hinten)
Originale Lampenschutzgitter müssen nicht extra eingetragen werden (vorne, wie hinten)

 

 

Das nächste Land Rover Discovery Projekt: Schnorchel

Wieder einmal auf dem Boden der Tatsache angelangt, entpuppt sich die originale Luftansaugung als Feuchtbiotop. Das ist ja fast wie beim Defender, dachte ich. Zum Glück wusste ich bereits über den Sinn und Unsinn von Schnorcheln Bescheid, wir brauchen für unsere Vorhaben definitiv einen! Von daher gab es keine andere Wahl. Aus stilistischen Gründen entschieden wir uns gegen die originale höhengelegte Luftansausgung. Zudem kann auf dem Originalzubehör kein Zyklonfilter angebracht werden, der für trockene Gebiete und im Winter sehr zu empfehlen ist!

Wer meint, er könne am Discovery den Schnorchel selbst anbringen, der benötigt wirklich gutes Werkzeug. Die A-Säule überraschte jeden Land Rover Fahrer in Festigkeit und Durchhaltevermögen. Nichts mit dem dünnen „Blech“ wir am Defender! Zwei Diamantbohrer für vier Löcher zur Safari Schnorchel Befestigung! Das ist eine saubere Leistung. Zum Glück tropft es dort nicht! Als Running Gag wurden Nüsse in den Radkästen gefunden – Notration für schlechte Zeiten. In den Kreisen der Eingeweihten werde ich gerne auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Von daher: Nussschnaps gibt es dann immer bei mir, um schnell vom Thema abzulenken 😉

Auch die Prüfung des Schnorchels, wie mir in Zürich weissgemacht wurde, verlief andernorts ganz entspannt. Kein Abgasgutachten, Vorbeifahr-Lautstärkegutachten oder eine Leistungssteigerungsgutachten notwendig. Splitterschutzgutachten – nein danke. Der Disco hat bereits einen Schnorchel eingetragen, hiess es, auch wenn vom Importeur ein DTC Gutachten mitgeliefert wird. Passt also! Puh, das wäre erstmal vollbracht!

Ein DTC Gutachten gibt es im Übrigen von Casty Offroad in Trin. Das ist der Importeur für Safari Snorkel in der Schweiz.

Safari Schnorchel mit Zyklonfilter
Safari Schnorchel mit Zyklonfilter (Quelle: Thomas Strahm)
Safari Schnorchel mit originalem Lufteinlass
Safari Schnorchel mit originalem Lufteinlass (Quelle: Thomas Strahm)