Erfahrungen mit dem Pirelli Scorpion All Terrain Plus oder einmal durch den Balkan und zurück

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Erste Erfahrungen mit dem Pirelli Scorpion All Terrain Plus

Nachdem ich bis einschliesslich letzter Saison den Cooper Discoverer STT auf den 18″ Compomotive Felgen gefahren bin, habe ich mich in diesem Jahr an den neuen Pirelli Scorpion All Terrain Plus gemacht. Beide Pneu wurden in der Dimension 275/65 R18 gefahren. Dem Pirelli wurden jedoch die geschmiedeten Delta4x4 Felgen gesponsert.

Mein erster Eindruck ist positiv gewesen, der Hersteller versprach, dass der Reifen die „perfekte Wahl für längere Fahrten“ sei, „ohne den Verlust von Sicherheit und Komfort auf der Straße“. Lassen wir es also drauf ankommen. Bereits einige Tage später das erste Erlebnis. Bei 100 km/h im Tunnel kurz vor Zürich. Ein holpern, Geräusch im Radkasten, aber das Auto fuhr. Ein kurzer Check ergab nichts, jedoch in der Garage das „böse“ Erwachen. Der neue Pirelli Scorpion AT Plus hat einen kleinen Teil seiner Lauffläche verloren.

 

Also blieb die Langstreckentauglichkeit ein wenig auf der Strasse, ein mulmiges Gefühl kam auf. Zum Glück habe ich immer 5 Pneu dabei, ein Wechsel ist somit problemlos möglich gewesen und ein neuer Pneu konnte geordert werden. Die ersten 1’500 km gingen ohne weitere Probleme von sich. Der erste Eindruck:

 

  • Leiser als der Cooper Discoverer STT (das war vorauszusehen), jedoch lauter als gedacht bei Tempo 140+
  • Schwammig bei Starkregen, vor allem unter Vollast und bei starken Bremsen
  • Im leichten, nassen Gelände müllt sich der Pneu schnell zu, reinigt sich aber zügig (das funktioniert natürlich nur solange, wenn man „saubere“ Strecken zwischendurch hat)
  • Temperaturschwankungen mag der Pneu überhaupt nicht

 

Zum letzten Punkt ein paar erklärende Worte. Als wir noch in Zürich (Stadt) wohnten und wir in die Berge sind, mussten wir kurz durch die Stadt und dann Autobahn. Nach 30km kam eine 80er Zone. Bis dahin hatte der Cooper Betriebstemperatur und die Vibrationen im Lenkrad waren weg. Allein diese kurze Verringerung des Tempos hat geholfen. Ähnlich verhält sich der Pirelli, jedoch (wir wohnen jetzt auf dem Land) sind die Temperaturen am Berg, auf dem ersten Pass und schliesslich auf der Autobahn unterschiedlich. Ein zu schneller Anstieg oder Fallen der Temperatur lassen den Pneu vom Fahrgefühl her nicht besser werden. Weitere Beispiele folgen.

 

Der Balkan – unendliche Weiten

Der Artikel zu unserer Reise folgt noch.

Exkurs: Verbrauch

Der Verbrauch auf Langstrecken steht oft in Diskussion ebenso der Luftdruck. Voll beladen haben wir vorn 2.5bar und hinten 2.9 bar gehabt. Das hat sich bewährt und kann von mir aus empfohlen werden. Wir sind mit Dachzelt und Gepäck für 2 Personen unterwegs gewesen. Die zweite und dritte Sitzreihe existiert bei uns nicht mehr. Dafür jede Menge anderes schweres Gerät am Fahrzeug. Während unserer Vorbereitungen haben wir gemerkt, dass der Pneu bei den Schweizerischen 120km/h gut 0.5l weniger als der Cooper nimmt. Mit Dachzelt auf den immer gleichen Strecken (rund 200km) um die 11l kombiniert (Stadt, Land, Autobahn, Passfahrten etc.). Unsere Reisegeschwindigkeit auf den Autobahnen wollen wir zugunsten des Verbrauchs auf um die 10l senken. Das bedeutete eine Reisegeschwindigkeit auf Autobahnen von 108 km/h (laut LR Tacho). Getankt haben wir primär Premium Diesel (also nicht den „normalen“) oder Euro Diesel (z.B. in Albanien), wenn es sein musste. Auf der Langstrecke hat sich der teurere Diesel bemerkbar gemacht, das Ansprechverhalten ist besser geworden und der Verbrauch ist auf um die 9l gesunken. Im Alltag bringt es nicht viel, aber auf der Langstrecke haben wir mit dieser Wahl des Diesels gute Erfahrungen gemacht. Die Unterschiede zum Eurodiesel haben wir im Verbrauch sofort gesehen, einen halben Liter mehr hat es mind. gekostet. Auf der bulgarischen Autobahn sind wir sogar nur bei 7.5l gelandet. Es war windstill und ideale Bedingungen. Bis nach Griechenland hin hatten wir aber die 9.3l wieder erreicht.

 

Temperaturen

Zu den weiteren Witterungsbedingungen kann gesagt werden, dass wir z.T. morgen um halb 10 bereits 33 Grad hatten. Höchsttemperatur ist 36 Grad gewesen. Diese hohen Temperaturen haben natürlich auch Auswirkungen auf den Pneu. Er wurde nämlich immer weicher, was auf Langstrecke vollkommen ok ist, aber im Alltag nerven würde. Jedoch wird es im Schweizerischen Sommer nicht so warm, wobei dieser Punkt entfallen würde. Vor allen in Kurven (Autobahn 60-90 km/h) oder auf der Landstrasse (20-40 km/h) merkt man ein Wechsel des Geräuschverhaltens bei Temperaturen über 29 Grad Celsius (das was der Disco anzeigt; während der Fahrt steige ich nicht aus).

 

Strassenbedingungen

Wir fahren auf der Langstrecke gerne einen AT auf Grund der verstärkten Karkasse. Gerade auch weil im Ausland die Strassenbedingungen z.T. sehr speziell sind. Wir haben so ziemlich alles an Strasse on- oder offroad gehabt. Manchmal mussten wir gar nicht die Hauptstrasse verlassen. Diese sind oft eine eigenständige Offroadstrecke gewesen. Schlaglöcher die einen halben Meter tief sind, gibt es wirklich. Alleinig Regen blieb aus – bis wir wieder in der Schweiz gewesen sind. Seine offroad-Stärke spielt er onroad gut aus. In Montenegro sind wir u.a. Schotterpiste gefahren. Die negativen Offroad Eigenschaften traten zum Vorschein. Der Pneu sammelte Steine wie eine Schaufel, rausgeworfen hat er sie aber nicht.

 

 

 

Auf der Schotterstrecke ist dieser Pneu natürlich kein Vergleich zum Cooper. Dieser greift aggressiv rein, beim Gas geben oder Bremsen eine Granate. Der Pirelli eher enttäuschend. Bei ein wenig mehr Geschwindigkeit auf Schotter ist er zu sehr Strassenreifen, vom Bremsen will ich dann gar nicht reden. Auch weil nach diesem kurzen Ausflug gleich ein wenig Materialschwund aufkam. Zwar nichts Schlimmes, aber da habe ich mir mehr erwartet. Das kann natürlich den Temperaturen geschuldet sein, ist jedoch ein Zeichen, dass der Gummi recht weich geworden ist.

 

Abschliessende Worte

Der vorgestellte Pirelli Scorpion All Terrain Plus hat mich nach über 6’000km persönlich nicht zu 100% überzeugt. Als Alltagsreifen würde ich einen Strassenpneu bevorzugen, bei Regen ebenfalls. Am Berg macht er eine gute Figur, nicht überragend, aber Lastwechsel nimmt er gutmütig hin, sofern man nicht rast. Zum Quietschen habe ich ihn noch nicht gebracht, den Cooper schon. Eine Schlammschlacht oder auf feuchten Rasen würde ich ihn nicht nutzen wollen, da kommen die Strasseneigenschaften zu sehr raus; dem vom Hersteller beworbene Satz: „Die vorhandenen Lamellen innerhalb der Profilblöcke sorgen für eine hohe Bodenhaftung auf rutschigen Oberflächen“, kann ich nicht zustimmen. Ideal hat sich der Pneu bei mir zwischen 15 – 29 Grad Celsius in trockenen Gebieten verhalten. Drunter wird er nicht wirklich warm, drüber ist er zu schwammig. Meine Empfehlung: Eine reine Offroad-Tour würde ich mit ihm nicht machen wollen. Mal einen Schotterweg, ein wenig über den Rasen, den Feldweg entlang oder einfach sie Sicherheit zu haben, nicht beim nächsten Schlagloch auf der Felge zu sitzen – genau dafür ist er gut. Ich würde überlegen den Pneu eine Dimension kleiner zu nehmen, mit geringerer Flanke, so dass er weniger weich wirkt. Auf der Langstrecke möchte ich dennoch das weichere Fahrgefühl nicht missen, auch wenn wir uns dann auf italienischen Autobahnen bislang wie im Schiff fühlen. Das bleibt also zu testen 😉

 

Vorderrad Pirelli Scorpion AT auf Delta 4×4 mit 2.5bar

 

Hinterrad Pirelli Scorpion AT auf Delta 4×4 mit 2.9bar