OEMplus klärt auf: Probleme und Lösungen der elektronische Fahrwerkshöherlegung

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Der Land Rover Discovery hat wie auch viele andere Fahrzeuge aus dem Jaguar Land Rover Konzern ein Luftfahrwerk mit dem die Fahrzeughöhe automatisch angepasst werden kann. Neben dem sehr guten Fahrkomfort, das ein Luftfahrwerk mit sich bringt, kann die elektronische Fahrzeughöherlegung auch individuell, nach den eigenen Wünschen, nivelliert werden.

Die Fahrzeuggrundhöhen sind von Land Rover immer vorgegeben: die Einstiegshöhe, die normale Fahrhöhe, die Offroadhöhe (reduziert sich über 50km/h automatisch auf Normalhöhe) und die nur von der Elektronik selbst gesteuerte „extended Offroadhöhe“. Letztere soll der Notnagel sein wenn man im Gelände doch mal aufliegt, dann gibt das Fahrzeug die letzten Millimeter des Fahrwerkes frei.

Einige Fahrer wollen sich aber von der Technik nicht bevormunden lassen und verbauen zusätzlich elektronische Höherlegungen, wie zum Beispiel das „Anitas“ genannte System des italienischen Herstellers Mudtech. Damit hat man die Möglichkeit ohne Geschwindigkeitsregulierung das Fahrzeug ständig höher oder tiefer zu fahren. Zudem kann man damit direkt den extended Modus erreichen.

 

Probleme bei der elektronischen Fahrwerkshöherlegung

Wenn sich Kunden mit Fahrwerksproblemen bei uns melden, wissen wir meist schon was passiert ist!

Diese zusätzliche Technik für die elektronische Fahrwerkshöherlegung hat einen, für den LR4, zu hohen Ruhestrom, so dass die Batterie häufig in Mitleidenschaft gezogen wird. Dazu wird auch in mehreren Foren, wie Blacklandy berichtet.

Gravierender ist jedoch die Funktionsweise dieser Technik. Es wird nicht das Steuergerät für das Luftfahrwerk auf die neuen Parameter geändert sondern das zusätzliche Gerät verändert die Signale der Achssensoren. Um zu verstehen was dies bedeutet erklären wir zuerst die Funktion dieser Sensoren.

An jedem Rad befindet sich ein solcher Sensor. Der Erfassungsbereich ist +/- 30mm
An jedem Rad befindet sich ein Sensor. Der Erfassungsbereich ist +/- 30mm und regelt u.a. die elektronische Fahrwerkshöherlegung.

 

Der Achssensor (im Bild blau) ist mit einer Koppelstange auch Rod genannt (hier rot eingezeichnet) mit dem unbeweglichen Teil des Fahrzeuges verbunden. Der Sensor kann so die Höhenbewegung des Rades erfassen und diese Werte an das Fahrwerkssteuergerät weiter geben.

Im idealen Fall sollten alle 4 Sensoren in der normalen Höhe genau wie auf dem Bild stehen um 100% des vom Hersteller angegebenen Federweges nutzen zu können. Das ist aber nie der Fall. Meist sieht es so aus wie in dem folgenden Beispiel bei dem wir nur auf die beiden am meisten abweichenden Sensoren eingehen.

 

Der Sensor mit der größten positiven Abweichungen (Bild links) gibt den Wert +8 aus
Der Sensor mit der größten positiven Abweichungen gibt den Wert +8 aus.

 

der Sensor mit der größten negativen Abweichung (Bild rechts) -4.
Der Sensor mit der größten negativen Abweichung -4.

 

Die Differenz aus beiden Werten gibt den verlorenen möglichen Federweg am Sensor an, am Reifen ist dieser deutlich größer.

In diesem Beispiel bedeutet es, dass beim Anheben des Fahrzeuges nur noch 22mm am Sensor zur Verfügung stehen und beim Absenken nur 26mm. Ohne zusätzlich verbaute Elektronik gibt es dadurch keine Probleme am Fahrzeug, lediglich der maximale nutzbare Bereich ist eingeschränkt.

Die zusätzlich verbaute Elektronik, wie das Anitas, wird zwischen den Achssensor und dem Fahrwerkssteuergerät geschaltet. Der empfangene Wert vom Achssensor wird verändert und mit der vorgewählten Höhe beaufschlagt. Das bedeutet, dass z.B. aus dem zuvor genannten Wert +8 eine +18 gemacht wird und aus der -4 eine +6 entstehen sollte. Oftmals sind diese Systeme falsch programmiert und verändern die Werte an der einzelnen Achse nicht richtig, was meist zu einem hinten hoch stehenden Fahrzeug führt.

Hinten hoch, vorne tief.
Hinten hoch, vorne tief.

 

Im Gelände gibt es dann häufig die Fehlermeldung „Fahrwerk außerhalb der Toleranz“ oder „Aufhängungsfehler“. Geraten mehrere Achssensoren ausserhalb der Toleranz geht das Fahrwerk in den Notlauf und senkt sich komplett ab. Ein Weiterfahren ist damit nicht mehr möglich.

Bei unserem Beispiel wäre also bereits ein Achssensor bei dem maximalen manuellen Höherstellen mit solcher Elektronik ausserhalb der Toleranz, da hier problemlos die Regelgröße von 30mm überschritten wird.

Aus eigener Erfahrung und den resultierenden Problemen, die bei dem Einsatz solcher Elektronik entstehen, können wir nur dazu raten den Einsatz genauestens zu prüfen und mit Bedacht zu wählen und zu verwenden!

 

Lösungsansätze für die elektronische Fahrwerkshöherlegung

Bei unseren Ein- und Umbauten verzichten wir freiwillig auf diese Art der zusätzlichen Elektronik. Die Fehlerquellen in unseren hoch technischen Fahrzeug werden so nicht unnötig erhöht.

Unserer Lösungsansatz hat einen einmaligen aufwand und ist dann immer zuverlässig nutzbar:

Wir stellen das Fahrzeug auf die gewünschte Normalhöhe ein und justieren dann die Achssensoren so lange bis an allen vier Rädern der Wert gleich ist. Im Normalfall sollte dieser dann 0 betragen. Somit kann das Fahrzeug 100% des werkseitig vorgegebenen Federweges nutzen. Eine Geschwindigkeitsaufhebung für die Geländehöhe ist damit nicht möglich, aber meist auch nicht gewünscht da die Fahrzeuge mit 18“ Bereifung meist um 1,5 – 2,3 cm höher gelegt werden.